Homöopathie und Psyche - Eine wahre Geschichte
 
Herr Seem setzte seine Hündin Briska auf den Untersuchungstisch und wollte meine Meinung hören. Briska war eine wunderschöne Collie Hündin von zwei Jahren. Jetzt lag sie auf dem Tisch, schlapp, lahm und uninteressiert. Der Bauch war leicht gebläht. Die Schleimhäute wiesen einen leicht bläulichen Schimmer auf und das Herz schlug nur etwa 25 mal in der Minute.
 
Herr Seem wollte eine zweite Meinung einholen. Die Tierklinik, in der er Klient war, hatte als letzte Maßnahme die Implantation eines Herzschrittmachers vorgeschlagen. Alles war mehrfach untersucht worden. Röntgenaufnahmen vom Herz, Elektrocardiogramm, Blutwerte, doch es fand sich nichts auffallendes, außer, dass das Herz zu langsam schlug.
Nun stand die große Operation an.
Wonach immer ich fragte, Herr Seem hatte die Antwort. Auch ob es psychischen Stress gab, wie Umzug, Scheidung oder ähnliches verneinte er. Er kam zu mir, da er sich von einem auf Homöopathie spezialisierten Tierarzt vielleicht doch ein Wunder erhoffte. Denn er wollte mit Briska eigentlich züchten, so wie er es schon mit ihrer Mutter und deren Mutter getan hatte. Dies war neben seinem Beruf als Reitlehrer sein großes Hobby. Auch ich fand nichts neues heraus. Mit großer Skepsis verschrieb ich versuchsweise Carbo Vegitabilis und Laurocerasus, zwei homöopatische Mittel.
Eine Woche später waren der Blähbauch besser und das Herz schlug etwa 40 mal in der Minute. Briska trottete bei Spaziergängen wieder mit, dabei blieb es dann auch über die nächsten Wochen. Eine müde junge Hündin, die wirkte, als sei sie schon 12 Jahre alt.
Nach zwei weiteren Monaten jedoch erwähnte Herr Seem, dass Briska neulich, wie der junge Frühling durch die Felder jagte. Als ich die Umstände erfragte, erzählte Herr Seem mir, dass er auf seinem alten Pferdehof gewesen ist, wo Briska auf ihre Spielgefährten traf, die sie von Welpe an, kannte.
Jetzt war ich neugierig und wollte die ganze Geschichte hören.
Was herauskam war, dass Herr Seem vor vielen Jahren mit seinen Pferden bei einem Bauern einzog und diesem half, einen Pferdehof aufzubauen. Er gab Reitunterricht und dies ging über viele Jahre gut. Doch dann trübte sich sein Verhältnis zum Hofbesitzer und nach einigem Zögern suchte er sich und seinen Pferden eine neue Bleibe. Inwendig jedoch war er noch immer voller Groll und Trauer. Offensichtlich litt auch die Hündin noch an diesem Verlust.
Die Hündin bekam daraufhin von mir eine einzige Gabe von Ignatia, einem der großen Kummermittel in der Homöopathie.
Innerhalb von drei Tagen war sie wieder ganz die alte und auch Herrn Seem ging es jetzt besser. Briska wurde in der nächsten Läufigkeit gedeckt und warf sieben gesunde Welpen.
Noch heute kommen der eine oder der andere ihrer Enkel zu mir in die Praxis.
 
 
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